Testbericht der Stuttgarter Zeitung


Da noi due
Zwischen Kickern und Killesberg


Vor einigen Wochen haben wir an dieser Stelle das Im Kohlhau des VfL Kaltental vorgestellt, dessen Macher angetreten sind, das beste Vereinsheim in Stuttgart zu werden. Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, scheinen die Kaltentaler tatsächlich unschlagbar. Ob sich die gutbürgerliche deutsche Küche aber gegen die weltmeisterlichen Italiener behaupten könnte? Das Da noi due jedenfalls müsste sich in einem Wettstreit kaum verstecken, allerdings muss man hier auch tiefer in die Tasche greifen. Und es scheint, dass es manchem Vereinsmitglied in den edel umgestalteten Gasträumen des SV Prag etwas zu gehoben zugeht. Aber: "Man kann es nicht allen recht machen", sagt Ralf Schäfer, der Vorsitzende des Vereinsrats, mit dessen voller Unterstützung Nico Modesti rechnen kann.


Schließlich hat der neue Pächter nicht nur viel Qualität, sondern auch eine Menge Kundschaft mitgebracht: 80 Prozent der Gäste, so schätzt man, haben nichts mit dem Verein zu tun. Trotzdem haben Signore Modesti und seine Frau Anna, das sind die "Bei uns zweien", Erfahrung mit dem Vereinswesen. Jahrelang verwöhnten sie kaum einen Steinwurf entfernt die anspruchsvollen Gäste beim TC Weißenhof, zuletzt waren sie bei den Feuerbacher Gartenfreunden in der Grünewaldstraße tätig. Als dort nach vier Jahren die Pacht ausgelaufen war, wollte sich Nico Modesti eigentlich zur Ruhe setzen - und konnte es doch nicht. Der Römer hat eben nicht nur eine Vorliebe für gutes Essen, sondern auch ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. So kann er bei den Kreationen seiner Frau schnell ins Schwärmen geraten.


Eine Spezialität des Hauses steht zwar nicht auf der Karte, aber die mit Spinat und Ricotta gefüllte fluffige Teigrolle (10,50 Euro) hat es nicht nur in sich, sondern auch um sich: eine köstliche Zucchini-Weißwein-Tomaten-Sauce. Das ebenso überraschende Carpaccio della Casa (9,50 Euro) hat es eher auf sich: die dünnen Rindsbratenscheiben werden mit Fenchel, eingelegtem Trüffel und Trüffelkäse versehen und mit Zitrone, Trüffel- und Olivenöl abgeschmeckt. Zu den Scaloppina Limone (16,50 Euro) wird eine kleine Schüssel Spaghetti mit einem Stich Butter gereicht; einzig die Tagliatelle Scampi (11,50 Euro) geben sich an unserem Abend etwas trocken-widerspenstig. Dafür ist der gegrillte Wolfsbarsch (19,50 Euro) eine Wucht, nicht nur was seine Dimension, sondern auch seine Konsistenz angeht: außen würzig-knusprig, innen zart-saftig. Fachmännisch wird er am Beistelltisch zerlegt.


Wir sehen: sowohl das in Weiß gehaltene Ambiente mit seinen hohen Stuhllehnen als auch die Westen oder Krawatten der Kellner, aber eben auch die Preise orientieren sich eher am Killesbergpublikum als an Vereinskickern, deren Silhouetten im Flutlicht hinter den Gardinen an manchen Abenden die einzigen Indizien für ein Sportheim sind. Auch die Spezialitäten auf Anfrage sowie die Weinauswahl (außer edlen Flaschen bis hin zum Barolo gibt es auch einen ordentlichen offenen Chianti oder Nero d'Avola für 4,50 Euro) sind nicht gerade das tägliche Brot für Spieler. Eher schon die Pizzakarte (ab 7 Euro) oder auch ein dazwischen geschobener Wurstsalat. Aber nachdem sich der Verein und der als "sehr kooperativ" gewürdigte Pächter nochmal zusammengesetzt haben, hat man sich auf vergünstigte Gerichte für die Aktiven einigen können. Vielleicht wird es dann eines Tages auch dem letzten Bruddler recht sein, was in seinem Heim geboten wird.


Da noi due im SV Prag, Parlerstraße 86, Telefon 5 50 72 12, geöffnet dienstags bis freitags 11.30 bis 14.30 und 17.30 bis 24 Uhr, samstags ab 17 Uhr, sonntags 11.30 bis 24 Uhr, EC- und Visa-Karte


Matthias Ring, StZ
Aktualisiert: 23.03.2007, 15:09 Uhr